Die Züchter setzen auf Resistenz
Können Schafe vor der Scrapie-Erkrankung geschützt werden?
Genotypisierung und Einstufung soll weiterhelfen


Huber Käsmann und sein Sohn Oliver inmitten ihrer Schafe -- Foto:Karl Heinz Burkhardt

Von unserem Redaktionsmitglied Anja Daume

Hünfeld
Noch bevor Gesundheitsministerin Marlies Mosiek-Urbahn ”BSE- ähnliche Tests für Schafe und Ziegen” forderte, beschäftigten sich verschiedene Schafzuchtverbände mit einem Programm für die Scrapie-Resistenz (siehe Info- Kasten). Durch eine so genannte Genotypisierung für Zuchttiere soll anhand eines Bluttests die Resistenz gegen die Schafkrankheit transparent werden. Anfällige Tiere sollen aus der Zucht genommen werden.

”Wir sind dabei, bezüglich des Resistenzprogramms einen Status zu ermitteln. Im November wurde die dazu notwendige Genotypisierung mit den hessischen Schafzüchtern erörtert”, erläutert Dietrich Groos vom Hessischen’ Schafzuchtverband in Kassel. Trotz des Aufwandes wurde die Maßnahme positiv aufgenommen, wie Schäfer Hubert Käsmann aus Eiterfeld betont. In einer der schafreichsten Gemein- den Hessens hütet er zusammen mit Sohn Oliver 1000 Mutterschafen. Um die gleichbleibende Qualität seiner Tiere zu garantieren, füttere er speziell entwickeltes Futter. ”Tiermehlverfütterung“ an Wiederkäuer ist bereits seit 1994 verboten und Milchaustauscher als potenzieller Überträger der Scrapie-Erreger wurde sowieso nie verabreicht, so Käsmann.

48 Mark pro Blutprobe
Auf der nächsten Auktion in Butzbach im März werden die ersten Typisierungsergebnisse erwartet. Aufgrund des finanziellen Aufwandes der Schäfer von 48 Mark pro Blutprobe sei bereits bei der Tierseuchenkasse und der EU .wegen Unterstützung angefragt worden, ergänzt Groos. Obwohl seit 200 Jahren bekannt, herrscht bezüglich Scrapie und deren Erreger große Unsicherheit. Ebenso wie die rinderspezifische BSE (Bovine Spongiforme Enzephalopathie) und Creutzfeldt-Jakob bei Menschen fällt die Schafkrankheit unter die Gruppe der TSE, der Transmissiblen Spongiformen Enzephalopathie, einer so genannten ”übertragbaren schwammartigen Gehirnerkrankung”. Wissenschaftler gehen bei nahezu allen TSE-Formen von einer speziesübergreifenden Übertragbarbeit aus. Wobei sich die Inkubationszeit über Jahre hinziehen kann. Nach jetzigem Ermessensstand wird davon ausgegangen, dass als Infektionsauslöser ein Prion-Protein, also ein verändertes Eiweiß im Körper des Tieres in Frage kommt. Ob dabei von einer spontanen Mutation des ursprünglichen Prions ausgegangen werden muss, oder von einer krankhaften Veränderung durch Übertragung eines bisher nicht nachgewiesenen Erregers durch Tiermehl oder Milchaustauscher, sei wissenschaftlich noch nicht belegt, erläutert Dr. Georg Hünermund, Leiter des Hünfelder Amtes für Lebens- mittelüberwachung und Veterinärwesen. ”Das könnte bedeuten, dass auch Schweine, Mäuse und andere Tiere angesteckt werden können.”

Natürliche Haltungsformen
Elisabeth Sandach, Schäfermeisterin und langjährige Mitarbeiterin in der Bioland-Schäferei Soisdorf, plädiert daher für natürliche Haltungsformen, die es den Tieren erlaube, ihr Futter weitgehend selbst zu wählen. ”Die Verbraucher haben die Möglichkeit, naturnah produziertes Fleisch zu kaufen. Schlie81ich könne man sich bei seinem Schäfer über Haltung und Fütterung informieren.” Nach Groos Angaben seien seit 1973 12 bis 14 Scrapie-Fälle in Deutschland und der DDR bekannt geworden, die ab 1990 gehäufter auftraten. Bei Ausbrechen der Krankheit sieht die Rechtslage, ebenso wie bei Rindern, eine Tötung des ganzen Bestandes vor, obwohl der Übertragungsweg eines möglichen Erregers bisher nicht geklärt ist. Bisher ist Scrapie nur bei ausgebrochener Krankheit am toten Tier nachzuweisen. ”Es gibt keinen Test, der beweist, dass das krankmachende Gen im Körper steckt”, so Hünermund. Resistenz bedeute, dass die Krankheit nicht ausbreche. Sie bedeute nicht, dass das Tier definitiv nicht infiziert sei. Die 392 Schafhalter mit 7906 Mutterschafen und 3101 Lämmern im Kreis Fulda setzen jedenfalls auf die Resistenz ihrer Tiere. ”Irgendwo muss man ja anfangen”, sagt Sandach. Dr. Hüner- mund hat, wie viele andere, keine Angst vor Ansteckung: ”Ich würde deutsches Schaf- und Rindfleisch jederzeit essen und dem Fleisch aus anderen Ländern vorziehen.” Auch Schäferin Sandach hofft auf den Einfluss der Endabnehmer: ”Echte Zeichen setzen muss schon der Verbraucher selbst, im eigenen Interesse, denn er ist nicht der Agrarindustrielobby verpflichtet, im Gegensatz zu den Politikern.”

 

Scrapie bei Schafen
Einteilung in Risikogruppen

Hünfeld (ad)
Genau wie Rinder an BSE, können Schafe an ”Scrapie”, auch Traberkrankheit genannt, erkranken. Sowohl Scrapie als auch BSE gehört zu einer Gruppe von Krankheiten mit ähnlichem Erscheinungsbild. Um die mögliche Ausbreitung dieser Erkrankung einzuschränken, soll ein Zuchtprogramm zur Scrapie- Resistenz etabliert werden.

Für dieses Programm sind die genetischen Dispositionen der Schafe von Bedeutung, die, je nach Ergebnis, in fünf Risikogruppen eingeteilt werden sollen. Wie die Zeitschrift ”Deutsche Schafzucht” in ihrer Januar-Ausgabe berichtet, wird für eine Beurteilung der Resistenz eines Tieres, Genotypisierung genannt, zwei Milliliter Blut benötigt. Im Labor wird dann anhand der Erbsubstanz ermittelt, welche genetische Veranlagung zur Scrapie-Erkrankung in dem jeweiligen Schaf steckt. Dieser ermittelte Status wer- de dann dem Züchter zugesandt, so dass von nun an gezielte Verpaarungen von Schafen mit geringstmöglichem Risiko an Scrapie zu erkranken, vorgenommen werden können.

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