Erschienen im "Schlitzer Bote" am   12.01.2004


Knapp 13.000 Schafe bei 385 Haltern im Vogelsberg:

"Schafhaltung im Vogelsberg hat Tradition"

Vogelsbergkreis (dg).
"Die Schafhaltung im Vogelsberg hat Tradition. In fast jeder Gemeinde und größeren Hofgütern wurde früher eine Schafherde gehalten", stellte Vorsitzender Klaus Schönfeld am Freitagabend in seinem Bericht zur Hauptversammlung des Schafhalterverein Vogelsberg fest.

In der sehr gut besuchten Veranstaltung im Gasthaus "Jägerhof" im Lauterbacher Stadtteil Maar wies er darauf hin, dass sich jedoch in den vergangenen Jahren die Einnahmenschwerpunkte verändert hätten. So sei früher Wolle und Schafdung wichtige Produkte gewesen; Hammel und alte Mutterschafe wurden geschlachtet und schmeckten auch entsprechend, denn Lämmer zu schlachten war Luxus. Heute seien die Lämmer eine der Haupteinahmequellen, die Wolle erbringe kaum noch den Schurlohn. Auch von der klassischen Hütehaltung sei man durch die Erfindung des elektrischen Weidezaunes fast abgekommen und zur Koppelschäferei übergegangen. Allerdings sei die Hütehaltung bei größeren Betrieben die wirtschaftlichste Art Schafe zu halten und auch die Landschaftspflege erfordere eine Hütehaltung, meinte Schönfeld.
Die Schafhaltung in Deutschland und damit die Lämmerproduktion sei eine Nischenproduktion. Den Selbstversorgungsgrad für deutsches Lammfleisch bezifferte der Vorsitzende mit unter 50 Prozent. Pro Person würden mit 0,8 bis 1,2 kg im Jahr nur verhältnismäßig geringe Mengen Schaffleisch verzehrt. Die Entwicklung im Bereich Einkommen pro Schafhaltungsbetrieb seien rückläufig und irgendwann werde die Schafhaltung aufgegeben. "Dann wird die Konkurrenz aus Neuseeland, Australien, England und den osteuropäischen Ländern den deutschen Markt beliefern. Es stellt sich dann aber die Frage, wer pflegt unsere Landschaft?", gab Schönfeld zu bedenken.
Ein Schwerpunkt seiner Ausführungen war auch die Prämienregelung. So habe man derzeit eine fest kalkulierbare Prämie von 21 Euro je Mutterschaf. Ab 2007 solle die Tierprämie jedoch in eine Flächenprämie umgewandelt werden. Da nicht alle Schäfer über ausreichend eigenes oder gepachtetes Land verfügten, könne es hier Probleme geben.
Schönfeld ging auch auf den Futtermangel aufgrund der lang anhaltenden Trockenperiode in 2003 ein. So seien die Wintervorräte um ein Drittel geringer ausgefallen, wie in den Jahren zuvor.
Neuerungen gebe es ab 2005 bei der Kennzeichnung und ab 2008 werde eine elektronische Kennzeichnung eingeführt.
Als das wohl bekannteste Ereignis im Berichtsjahr bezeichnete der Vorsitzende die "Vogelsberg Lammwochen", die gemeinsam mit der heimischen Gastronomie durchgeführt wurden. Die Auftaktveranstaltung dazu finde diesmal am 25. März ab 19.30 Uhr in der Adolf-Spieß-Halle in Lauterbach statt.
An weiteren Veranstaltungen fand der "Tag des Schafes" verbunden mit mit dem Ausscheidungshüten in Kirtorf statt und die Lehrfahrt führte mit 34 Teilnehmern nach Leipzig und zum Kyffhäuser. Gute Besucherzahlen hätten die Lammessen in Queck und Ilbeshausen sowie die Stammtische in Bernsfeld und Hartmannshain gehabt.
Abschließend war zu hören, dass im Vogelsberg knapp 13.000 Mutterschafe bei 385 Haltern und 462 Ziegen bei 106 Haltern vorhanden seien.
Bei den anschließenden Vorstandswahlen wurde Vorsitzender Klaus Schönfeld sowie Rechner Wolfgang Pschierer (Ilbeshausen) einstimmig wiedergewählt. Für den ausscheidenden Geschäftsführer Wilfried Möller wurde Werner Eifert (Eichelhain) gewählt und neue Kassenprüfer wurden Karl-Heinz Fölsing (Reuters) und Frank Emrich (Salz).
Informationen über die "persönliche Schafprämie" und andere Förderrichtlinien gab es anschließend von Karl-Peter Mütze, dem Leiter des Amtes für den ländlichen Raum. Er bat eindringlich alle Förderanträge rechtzeitig einzureichen.
Abschließend wurde das Thema "Hundesteuer" ausgiebig diskutiert. Hier gebe es aufgrund der kommunalen Selbstverwaltung unterschiedliche Handhabungen. So seien nicht in allen Städten und Gemeinden des Vogelsberges, die Hütehunde steuerbefreit. "Wie brauchen aber die Hunde, denn selbst Hund spielen ist schwer!" appelierte Schönfeld an die Verantwortlichen kommunalpolitischen Vertreter.
Schönfeld wies noch auf die von Walter Klemm (Herchenhain) eingerichtete An- und Verkaufsbörse hin. Unter Telefon 06644-7950 sei Näheres zu erfragen.
 

Aus dem Vorstand schied Geschäftsführer Wilfried Möller (2.v.links) aus, Vorsitzender Klaus Schönfeld (Mitte) wurde wiedergewählt. Foto: dg
 

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