Erschienen im "Schlitzer Bote" am 13.09.2002

Siebter "Tag des Schafes":


Schafzüchter sind als Landschaftspfleger gefragt

Eichelhain (gst).
Volksfestcharakter hatte der "Tag des Schafes", zu dem der Schafhalterverein Vogelsberg in den Lautertaler Ortsteil eingeladen hatte. Die Veranstaltung begann mit einem Schafzüchter-Gottesdienst mit Pfarrer Andreas Weik, Meiches. Der Geistliche, selbst aktiver Schafzüchter, erhielt dafür vom Vorsitzenden des Schafhaltervereins, Klaus Schönfeld, viel Lob. Musikalisch gestaltete der Posaunenchor Dirlammen den Gottesdienst.

Schon am Vormittag hatten sich zahlreiche Besucher, darunter viele Kinder, eingefunden. Am Nachmittag herrschte reger Betrieb auf dem Gelände des TV Eichelhain, der mit dem Schafhalterverein als Gastgeber fungierte. Nicht ohne Grund, so Klaus Schönfeld, habe man Eichelhain gewählt. Es gebe in Lautertal nicht nur viele Schafhalter, sondern hier werde die Landschaftsschutzfunktion von Schafen deutlich vor Augen geführt. Wiesenflächen mit botanischen Besonderheiten würden durch Schafabweidung im Bestand gesichert. Im Hinblick auf die Tötung einer Schafherde im Landkreis Fulda machte Schönfeld deutlich, dass man als Züchter den Verbraucherschutz sehr hoch ansiedele. Er warnte aber davor, es zu übertreiben, wie in diesem Fall.
Bürgermeister Norbert Södler, der auch Grüße von Ortsvorsteher Bernd Krömmelbein überbrachte, betonte, seine Gemeinde sei eine Hochburg der Schafzucht, die mehr als Spielerei sei. Man befinde sich in einer Zeit des Umbruchs, am Vorabend der EU-Osterweiterung, wo weitere landwirtschaftliche Flächen hinzukommen würden, kämen Schafzüchter als Landschaftspfleger immer mehr ins Gespräch. Ortslandwirt Helmut Hanitsch sprach vom Schaf, das im Rahmen des ökologischen Gleichgewichtes und der Freizeitgestaltung zum Nutztier geworden sei. In den 60er Jahren in Eichelhain gänzlich aus der Landwirtschaft verschwunden, habe sich dieser Trend in den 80er Jahren umgekehrt. Es gebe in Eichelhain heute mehr Mutterschafe als Milchkühe.
Landrat Rudolf Marx stellte die Leistungsfähigkeit des Schafhaltervereins heraus, wie sie sich beispielsweise bei den Lammfleischwochen zeige. Hierbei werde nicht nur auf gesundes Fleisch verwiesen, sondern auch auf den Naturschutz. Nur durch Schafe könnten heute noch verschiedene Weideflächen frei gehalten werden. Dies habe man beim Kreis erkannt und den Bau der Schafhalle in Maar finanziell unterstützt. Im Mittelpunkt des Festes standen die verschiedenen Schafrassen, die in kleinen Gattern untergebracht waren. Ein besonderes Ereignis war am Morgen die Geburt eines Zwillingspärchens gewesen, dessen erste Lebensstunden vom Publikum verfolgt wurden. Mehrmals am Tag wurde eine Schafschur gezeigt, ebenfalls reges Interesse fand eine Hütevorführung eines Schäfers. Der beste Kamerad des Schäfers ist sein Hund. Der Schäferhundeverein der Ortsgruppe Angersbach zeigte die Arbeit mit dem Hund, kommentiert wurden die Vorführungen von Polizeioberkommissar Wieland Ertl, Mitglied des Vereins und Hundeführer bei der Lauterbacher Polizei. Anlaufpunkte für die Kinder waren eine fahrbare Schäferhütte und sechs kleine Border-Collie-Hunde. Der siebte Schafhaltertag war nicht nur Werbung für die Schafzucht, er machte auch deutlich, dass in Zukunft Schafe zunehmend die Landschaftsbilder der Region wie dem Vogelsberg bestimmen und dabei nicht in Konkurrenz zur Landwirtschaft treten werden. Auch wurde das Schaf als attraktiver Fleischlieferant in den Mittelpunkt gerückt, denn auch Schafzucht braucht Absatzmärkte - jedenfalls waren die Essensstände in den Nachmittagsstunden ausverkauft.




 

 

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