Erschienen im "Schlitzer Bote" am 29.01.2002

Die Wollweißen mit ihren schwarzen Köpfen: Johannes Hennesen stellte sein Buch über die Rhönschafzucht vor

Als Schafe das Bild der Rhön prägten

Ehrenberg-Seiferts "Das Rhönschaf heißt Johannes Hennesens jetzt erschienenes Buch über die Geschichte der Schafzucht in der Rhön. In der Apfelschaukelterei in Seiferts stellte der Autor auf Einladung des Biosphärenreservats sein Werk vor.

 Wie lange es das Rhönschaf bereits gibt, ist ungewiss. Erstmals findet man Gemälde von schwarzköpfigen Schafen mit weißem Fell und weißen Beinen bei dem Maler Friedrich-Wilhelm Hirt (1727bis 1772). Welche Bedeutung die Schafzucht damals für die Rhön hatte, zeigen die Zahlen des Fürstbistums Fulda: Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden in 508 Schäfereien über 300000 Schafe gezählt.

 Ab 1800 beginnt auch in der Rhön die, Einfuhr von Merinoschafen zur Veredelung der heimischen Tiere. Aber die feinwolligen Merinos können nur sehr langsam Fuß fassen. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts überwiegen im hessischen, bayerischen und thüringischen Rhöngebiet klar die Rhönschafe. Diese wurden 1840 erstmals von Assessor Hackerl, beschrieben. Erste detailgetreue Zeichnungen findet man in! der Fachliteratur von 1873.

 Die Zeit 1865 bis 1899 ist auch die große Zahl der Schafmärkte in Fulda, die viermal im Jahr stattfinden und vom Rhönschaf dominiert werden. Nicht selten werden 3000 und mehr Tiere aufgetrieben. Damals spielte die Schafzucht noch eine wesentlich wichtigere Rolle als die Rinder- und Schweinehaltung.

 Dennoch ist die Schäferei bereits in Niedergang begriffen. Frankreich verfügt um 1878 Importbeschränkungen für Schaffleisch. Da Rhönschafe in großem Umfang nach Frankreich geliefert wurden, trifft dies die Rhön empfindlich.

 Aber auch die Agrarrevolution mit ihrer Fruchtwechselwirtschaft, der Erfindung des Kunstdüngers und der Mechanisierung des Ackerbaus führt dazu, dass die Schafe zurückgedrängt werden. Andererseits nimmt die Haltung von Rindvieh kontinuierlich zu. Billige Wolle wird zunehmend aus Neuseeland und Australien importiert. Ägyptische Baumwolle wird zum Modetrend und verdrängt heimische Wollprodukte.

 Dennoch gab es auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch viele große Herden in der Rhön. Für Unterfranken wird für 1910 die Zahl von 50 000 bis 60 000 Rhönschafen genannt. Ein Foto aus dem Jahr 1903 dokumentiert eine stattliche Rhönschafherde auf dem Schweidhof bei Tann.

 Die Herden gehören Genossenschaften, Gemeinden, Adligen und den kirchlichen Gütern. Bei den Hirten sind regelrechte Schäferdynastien entstanden. Dabei war die Bezahlung der Schäfer kärglich. Neben einem geringen finanziellen Entgelt erhielten die Schäfer ein Deputat Wolle und Lebensmittel. Teilweise wurde auch eine Wohnung (z. B. Schäferhäuschen in Hundsbach) zur Verfügung gestellt.

 Mit der Gründung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft 1887 entstanden zunehmend klar definierte Rassen. Zuchtziele wurden formuliert. Ein weiterer Schritt war der Beginn der Herdbuchzucht um 1912. In dieser Zeit erlangte Rudolf Pfalzgraf besondere Verdienste; seine Rhönschafherde wurde 1913 zur Eliteherde erhoben.

 Eine breite politische Unterstützung fand die Rhönschafzucht in den 30er Jahren. Im Rahmen der nationalsozialistischen Autarkiebestrebungen wurden Rhönschafzucht und der Bau, von Schafställen gezielt gefördert.

 Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Schafhaltung in der jungen Bundesrepublik Deutschland schnell an Bedeutung. Im thüringischen Gebiet der DDR blieben bis 1960 große Rhönschafherden erhalten, dann wurden neue -Zuchtziele deklariert. In der Folge verschwand das Rhönschaf vielerorts aus dem Landschaftsbild.

 Ab 1957 bemühte sich Jost von Butlar aus Riede verstärkt um den Erhalt der Rhönschafe. Ab den 70er Jahren und insbesondere in den 80er Jahren fand wieder eine langsame Rückbesinnung auf das Rhönschaf statt. Immer mehr Liebhaber begannen mit der Züchtung reinrassiger Tiere, so dass 1993 wieder erste gemeinsame Körungen und Auktionen von Hessen und Bayern stattfanden.

Im Jahr 2001 nennt das Jahrbuch der Schafzucht bundesweit wieder 130 Rhönschafzüchter. Allein für die Rhön wird von einem Bestand von etwa 3000 Muttertieren ausgegangen. Das Rhönschaf gilt heute nicht mehr als gefährdete Haustierrasse.

Das Buch "Das Rhönschaf" ist im Eigenverlag erschienen und kann bei Johannes Hennesen, Kohlgrunder Straße, 36093 Künzell-Dirlos, zum Preis von 12,70 Euro erworben werden.


Gehören heute wieder mehr und mehr zum Bild der Rhöner Landschaft: die Rhönschafe mit ihren charakteristischen schwarzen Köpfen. Das Foto entstand in der Rhön bei Kaltenwestheim.
Foto: Erich Plabbert

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