Anspruchslos, pflegeleicht und delikat
Heidschnucken erobern auch
unsere Heimat

Eine Herde von etwa 40 Alttieren in der Hutzdorfer Gemarkung, aufgenommen im
Herbst 1998, die eine Wiese säubern. Bei vermuteter Gefahr stellen sich die
Tiere im Kreis gegen den evtl. Angreifer auf, vornean die männlichen.Fotos: hs

Dieselbe Herde im Frühjahr. Innerhalb mehrerer Wochen stellt sich der Nachwuchs
ein, der wie beim weißen Pferd, dem Schimmel, die Fohlen mit schwarzem Fell
geboren wird.
Schlitz (hs).
Vor etwa 130 Jahren gab es in Norddeutschland noch zwei Millionen Heidschnucken,
die aber im Laufe der Jahre wegen der Ausbreitung von Ackerland, Forsten und
Ausweisung von Truppenübungsplätzen und der damit verbundenen Verringerung der
Weideflächen in ihrer Zahl sehr stark reduziert wurden. Zur Zeit gibt es in
Niedersachsen und im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide nur noch etwa 15.000
dieser anspruchslosen Tiere.
Gegensätzlich dazu ist aber die Vermehrung der Heidschnucken in den ländlichen
Gebieten Deutschlands, wo sie immer zahlreicher anzutreffen sind. Von den etwa
10.000 Mutterschafen im Vogelsbergkreis gehört jedes zehnte bereits zu dieser
Rasse, so daß zur Zeit mit den Lämmern nicht wesentlich weniger als 2000 ihrer
Art auf den Flächen unserer Mittelgebirgslandschaft weiden dürften.
Im Schlitzerland sind es wohl mehr als 400, die als biologische Rasenmäher von
ihren Haltern geschätzt sind. Nicht nur, weil sie unzugängliche Hanglagen und
viele andere Flächen, so wie ihre Artgenossen, sauber halten, sondern weil sie
anspruchslos in der Pflege und leichter zu vermarkten sind.
Ihr Fleisch wird von Gaumenfreunden hoch geschätzt und der Geschmacksrichtung
Damhirsch zugeordnet. Es steht für die Feinschmecker auf dem Speisezettel
vieler Spezialitätenrestaurants, wo es in verschiedenen Zubereitungen angeboten
wird.
In ihrer angestammten Heimat werden die Heidschnucken auch deshalb geschätzt,
weil sie im Frühsommer die Heide von angeflogenen Baumsämlingen freihalten und
im Spätsommer bis in den Herbst hinein, die vielen Spinnweben zerreißen und so
den Bienen den Weg bei der Honigernte freihalten.
Wenn auch von den Naturschutzverbänden die Schafe im allgemeinen für die
Pflege vieler Flächen hoch geschätzt sind, so gibt es unter den Jagdausübenden
in unseren Gemarkungen nicht nur Beifall gegenüber den immer mehr werdenden und
sich oft am Waldrand befindenden Einzäunungen für die Koppel-Schafhaltung.
Einerseits gehen auf diese Weise gern angenommene Äsungsflächen für das Wild
verloren und andererseits sind Verletzungen, insbesondere von Geweihträgern
beim Verfangen in den Maschendrähten, keine Ausnahme.