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25.05.05 - Lauterbach - Als einen "Beweis für erfolgreiche Tierzucht" in Oberhessen trotz schwieriger Rahmenbedingungen haben heute Agrarfachleute von Behörden und Verbänden die Ergebnisse des 235. Lauterbacher Prämienmarkt bezeichnet. Zur wichtigsten Zucht-Präsentation der Region mit vielen tausend Landwirten wurden am Vormittag über 300 Tiere wie etwa Rinder der Rassen Fleckvieh, Rot- und Schwarz-bunte, Pferde, Schafe und Ziegen den Wertungsrichtern zur Prämierung vorgeführt. Zum Tages-Programm gehörten auch auch ein Kälberaufzuchtwettbewerb für den Bauernnachwuchs sowie eine Pferdeschau mit hessenweitem Fohlenbrenntermin.

Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller erklärte in seinem Grußwort: "Der Prämienmarkt ist eine eindrucksvolle Demonstration für die erbrachten Leistungen der Landwirte." Leider hätte sich die Lage der heimischen Landwirte nicht verbessert. Im Gegenteil: die landwirtschaftlichen Betriebe werden immer weniger. Insgesamt gebe es im Vogelsberg noch 2000 wirtschaftende Betriebe."Sechs Prozent der Erwerbsbevölkerung der Region leben mit und in der Landwirtschaft", erklärte Vollmöller. Das wiederum zeige die große Bedeutung dieses Erwerbszweiges. "Ich wünsche mir, dass die großartige Arbeit unserer Landwirte und Züchter, vor einem breiten Publikum Anerkennung findet", sagte Vollmöller.

Mit deutlichen und sehr kritischen Worten beleuchtet der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Kurt Wiegel, die Zukunft der Landwirtschaft. „Im Moment gewinnen wir den Eindruck, dass die Landwirte systematisch entmutigt werden und ihnen die wirtschaftliche Basis entzogen wird“, so Wiegel. Mit ständig neuen Gesetzen entnerve man diejenigen Bauern, die investieren wollen. Besonders deutlich würden die Milchbauern die landwirtschafts-feindliche Einstellung zu spüren bekommen. Bei einem Preis von 25 Cent je Liter sei keine wirtschaftliche Milchproduktion mehr möglich. Mit Zahlen untermauert Karl-Peter Mütze vom Amt für den ländlichen Raum die Eindruck Wiegels. „Im Kreisgebiet geben durchschnittlich pro Jahr sieben Prozent ihre Betriebe für immer auf“, so Mütze. Er hoffe aber auch, dass existenzfähige landwirtschaftliche Betriebe noch viele Tierschauen beschicken und Einblicke in ihre züchterischen Aktivitäten geben können.

Landrat Rudolf Marx wünschte sich, dass der Prämienmarkt dazu beiträgt, dass die Leistungen der heimischen Züchter noch stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken. Aus dem Respekt für die Zuchtarbeit erwachse auch ein besseres Verständnis für die Beeinträchtigungen, die der eine oder andere Bürger in seinem persönlichen Lebensumfeld erfahren mag, so der Landrat.

Der Lauterbacher Prämienmarkt besteht seit 1770 und ist damit die älteste Tierschau und Marktveranstaltung dieser Art in Hessen. Ende des 18. Jahrhunderts hatten die Stadtväter beschlossen, dem Verkäufer des besten Rindes und Pferdes auf einem Zuchtmarkt jeweils einen "Conventions-Thaler" als Prämie aus dem Stadtsäckel zu zahlen. Die landwirtschaftliche Leistungsschau ist mit einem Krämermarkt in der Innenstadt sowie einer Kirmes verbunden und inzwischen das größte Volksfest Oberhessens. +++

 

 
 

Fotos: Max Colin Heydenreich

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 
 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 

 
 

Fotos: Max Colin Heydenreich

 

 
 

 

 

 

 

 

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